STAGE UPSTAGE UP TeilnehmerStart-Up Stories
Zurück

Die Entdeckung einer Marktlücke und des eigenen unternehmerischen Tatendrangs

28. April 2022 – Mirjam Viviani

Was in den USA und den Niederlanden längst angewendet wird, ist in der Schweiz noch fehlend: Die Verbindung von herkömmlichen Therapiesitzungen mit online-Therapie oder kurz «Blended Psychotherapie». YLAH, die online-Plattform zur Interaktion zwischen Therapeut*innen und Patient*innen kann dies ändern. Gründerin Florence von Guten hat unsere Fragen beantwortet.

Florence, wie bist du auf diese Idee gekommen?

In meiner praktischen Tätigkeit in psychiatrischen Einrichtungen störten mich die eingeschränkten und wenig zeitgemässen Behandlungsmöglichkeiten. Über den direkten Kontakt hinaus, können therapeutische Inhalte kaum weitervermittelt und Patient*innen in ihrem Alltag unterstützt werden. Ausserdem sind wichtige Informationen über das Befinden und die Behandlung nur schwer zu erfassen, papierlastig und zeitintensiv. Die Blended Psychotherapie ermöglicht das Fortführen der Therapie über die Sitzung hinaus.

In unseren Nachforschungen haben wir festgestellt, dass es in der Schweiz noch keine Anbieterin von Blended Psychotherapie gibt und sich ausländische Lösungen in Punkto Datensicherheit für die Schweiz nicht eignen. Ausserdem liessen sich die bereits vorhandenen Lösungen nicht gut in die hiesige klinische Tätigkeit integrieren, da sie den individuellen Bedürfnissen zu wenig angepasst werden können. Dies hat uns motiviert, eine Lösung zu erschaffen.

Wo steht ihr mit YLAH aktuell und wo seht ihr euch in Zukunft?

Aktuell stehen wir in der Entwicklungs- und Testphase, welche wissenschaftlich durch die Universität Bern begleitet wird. Die Markteinführung eines Consumer Device ist ab Herbst 2022 geplant.

In Zukunft wollen wir als medizinische Software zertifiziert sein und von jeder vierten Klinik oder Praxis in der Schweiz angewendet werden. Wir haben die Vision einen ganzheitlichen Behandlungsansatz über die Plattform zu erschaffen. Menschen mit psychischen Problemen können niederschwellig psychotherapeutische Unterstützung beziehen, welche sowohl präventive, therapeutische, wie auch posttherapeutische Massnahmen umfasst. Patient*innen können so ohne lange Wartezeiten rasch und professionell therapiert und Krankheitsrückfälle reduziert werden. Unsere Lösung soll die verschiedenen Gesundheitssysteme einbinden, in mehrere Sprachen übersetzt und international angeboten werden, wobei wir den DACH Raum zuerst angehen wollen, gefolgt von England, Frankreich und Italien.

Warum hast du dich für den beruflichen Weg als Unternehmerin entschieden? Was gefällt dir daran besonders?

In meiner beruflichen Laufbahn möchte ich verfolgen, was mir am besten gefällt: Praktische Arbeit auf hohem fachlichem Niveau mit wissenschaftlichen Methoden verbinden. Im Unternehmertum finde ich diese Schnittstelle. Ich kann Innovationen aus der Wissenschaft in die Praxis übersetzten und etwas bewegen, von dem ich überzeugt bin, einen Mehrwert für viele Menschen zu schaffen. Ich bin gefordert, mich den Umständen entsprechend anzupassen und mit Verantwortung Entscheidungen zu treffen. Mir gefällt, dass kein Tag wie der andere ist, ich ständig mit Herausforderungen konfrontiert bin, die mich wachsen lassen und ich Kontakt zu all den inspirierenden Persönlichkeiten in diesem spannenden Umfeld pflegen darf.

Reizt euch eine Buy-out-Strategie? Also, dass ihr YLAH in 10 Jahren für gutes Geld verkauft und dann für den Rest des Lebens finanziell unabhängig seid?

Unter der Prämisse, dass dies noch mehr Menschen Zugang zu verbesserter psychotherapeutischer Behandlung ermöglicht und dies optimaler gemacht werden kann als von uns selbst, dann ja. Ansonsten behalten wir selbst die Zügel in der Hand und werden YLAH unter dem Grundsatz der besten Qualität für alle beteiligten Stakeholder, allen voran den Therapeut*innen und Patient*innen stetig vorantreiben. In jedem Fall aber, hat mich das Unternehmertum gepackt und ich möchte meine Fähigkeiten darin für den Rest meiner Karriere ausbauen und nutzen.