Wer wir sind

Das Entrepreneurship Center (EC) dient als Dialogplattform für Studierende, Unternehmerpersönlichkeiten und die Öffentlichkeit.
Im Bereich Weiterbildung entwickeln wir Angebote auf universitärem Niveau. Personen, die sich auf Entrepreneurship in bestehenden Organisationen spezialisieren wollen, und (zukünftige) UnternehmerInnen sind gleichermassen angesprochen.

Im Bereich Outreach bieten wir Veranstaltungen zur Vernetzung und Weiterentwicklung von unternehmerischen Personen und Projekten. Insbesondere der Berner Business Creation Wettbewerb sowie der Berner Start-up Evening dienen der Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft.
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In´s Weekend mit – Peter Michel, CFO be-advanced

peter-michel-ctoAnfangs der 90ger Jahre wurde in Bern das erste Gründerzentrum der Schweiz lanciert. Seither hat sich nicht nur in der Gründerszene viel verändert, sondern auch im Gründerzentrum selbst: es erfand sich 2006, nach der Fusion  mit der InnoBe, und 2016 nach der Fusion mit bc4ht als be-advanced AG neu. Welchen Wandel die Gründerszene der Schweiz in den letzten Jahren durchlief, welchen Hürden sich Startups stellen müssen und was einen guten Finanzplan ausmacht, erfahren wir nun im Interview mit unserem BBCW-Coach Peter Michel, ehemaliger Geschäftsführer und aktueller CFO der be-advanced AG, persönlich.

 

Herr Michel, Sie waren schon sehr früh und seit nun rund 25 Jahren in der Gründerszene der Schweiz tätig. Was hat sich seither verändert?

Mit der Lancierung des ersten Gründerzentrums in der Schweiz setzte Bern für die Startup-Szene einen wichtigen Meilenstein. Erstmals war es Startups möglich, mit der Einmietung in die Räumlichkeiten von einer Infrastruktur profitieren zu können, die sie sich zur gegeben Zeit ansonsten kaum hätten leisten können. Ein Sekretariat, Internet, ein Fax und Drucker – Dinge die heute selbstverständlich sind, waren damals noch unglaublich teuer. Gleichzeitig war der Anschluss an eine solche Infrastruktur aber auch wichtig, da das Medieninteresse für die Gründerszene nicht in diesem Ausmass vorhanden war, wie es heute der Fall ist.  Seit Beginn der Thematisierung entstand gar eine gesamte „Wirtschaftlichkeit“ daraus: mittlerweile gibt es (fast) mehr Unterstützungsprogramme für Startups als Startups selber. Vieles, wie zum Beispiel die Wichtigkeit des persönlichen Sozialkontakts oder die Schwierigkeit der Seedfinanzierung (Finanzierung der Prototyp-/Entwicklungsphase), hat sich aber nicht verändert.

 

Welchen neuen Herausforderungen müssen sich Startups von Heute stellen?

Grundsätzlich haben Startups von Heute, im Vergleich zu Früher, die besseren Voraussetzungen. In praktisch allen Bereichen finden sie heute mehr und schneller Unterstützung, das mediale Interesse steht ihnen zu und die gesamte Kommunikation hat sich vereinfacht. Auch bezüglich gesetzlichen und formellen Regulationen haben es die Startups leichter. Natürlich müssen sie sich noch immer durch den Bürokraten-Dschungel hindurchkämpfen, aber es wurden mittlerweile viele Anleitungen für die Selbständigkeit formuliert und zusätzlich werden kostenlose Beratungsgespräche zur Unterstützung angeboten. Trotzdem wird der Aufwand der Selbständigkeit nach wie vor oft unterschätzt. Wenn der erhoffte schnelle Erfolg ausbleibt, was geschieht dann mit der Motivation eines Gründers und wie reagiert sein Umfeld auf die Situation? Oftmals sind dies wichtige Faktoren, die zu Beginn nicht richtig abgeklärt wurden. Die grössten Hürden für Startups von Heute sind meiner Meinung nach also das eigene Mindset und der Positionswechsel: viele Gründer bringen ein hohes Fach-Know-How mit, verlieren dabei aber den Blick auf den Kunden. Denn schlussendlich ist er der einzige, der entscheidet, ob er das Produkt/Dienstleistung will und die Unternehmung somit ein Erfolg wird – oder auch nicht.

 

Für viele gute Ideen scheint die Finanzierung eine der grössten Hürden zu sein: was macht aus Ihrer Sicht einen guten Finanzplan aus?

Wenn Gründer über ein gutes, neues und innovatives Produkt verfügen, sollten sie keine Angst vor der Finanzierung haben. Gute Ideen werden grundsätzlich immer Geld finden! Beim Erstellen eines Finanzplans sollten vor allem zwei Punkte beachtet werden: zum einen sollte er Empfänger-orientiert aufgebaut und zum anderen realistisch sein. Investoren wissen, dass sie Investitionen „verlieren“ werden. Ein Standartplan, welcher eine steil nach oben führende Kurve ohne jegliche und real existierende Beweisführung aufzeigt, wird sie also wenig überzeugen. Wenn diese zwei Punkte berücksichtigt werden und das Zusammenspiel einer guten Idee, mit einem guten Produkt/Dienstleistung und vor allem einer kompetenten Gründerpersönlichkeit überzeugt, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Finanzierung gut. Gründer sollten schlussendlich aber nicht vergessen, dass sie von ihrem Geschäft auch leben möchten. Der eigene Lohn, Sozialleistungen, welche im Alter zusätzlich ansteigen werden, Alterseinsparungen sowie auch die Mehrwertsteuer, die ab 100´000 CHF Umsatz bezahlt werden muss, werden im Finanzplan oft vergessen. Frische Unternehmer dürfen nicht verkennen, dass es nicht von ungefähr kommt, wenn eine langjährige, grosse Firma für ihre Produkte einen gewissen Preis verlangt. Schlussendlich sind dies aber alles nur Faktoren, welche unterstützend oder wegleitend wirken können, denn auch für den besten Finanzplan gibt es keine Garantie auf Erfolg. Nur der Markt – und damit der Kunde – wird am Ende entscheiden.