Wer wir sind

Das Entrepreneurship Center (EC) dient als Dialogplattform für Studierende, Unternehmerpersönlichkeiten und die Öffentlichkeit.
Im Bereich Weiterbildung entwickeln wir Angebote auf universitärem Niveau. Personen, die sich auf Entrepreneurship in bestehenden Organisationen spezialisieren wollen, und (zukünftige) UnternehmerInnen sind gleichermassen angesprochen.

Im Bereich Outreach bieten wir Veranstaltungen zur Vernetzung und Weiterentwicklung von unternehmerischen Personen und Projekten. Insbesondere der Berner Business Creation Wettbewerb sowie der Berner Start-up Evening dienen der Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft.
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In’s Weekend mit – Samuel Zürcher und Alexander Lüthi, Gründer von Certus Diagnostics

Samuel Zürcher und Alexander Lüthi hatten genug von den langen Wartezeiten, welche Patienten bei der Diagnose von Infektionskrankheiten erwartet. Nun setzen sie mit ihrer Firma certus molecular diagnostics ag neue Massstäbe in der Biotech-Branche: ihre Methode kann vor Ort in jeder Praxis sofort angewendet und umgesetzt werden, ist schneller, zuverlässiger und kosteneffizienter als bestehende Tests. Das sympathische Berner Gründungsteam hat für das Jahr 2017 Fahrt aufgenommen und ist voll auf Kurs!

 

 

  • Liebes certus molecular diagnostics ag Team, wer seid ihr und was diagnostiziert ihr?

Wir sind Alexander und Samuel und kennen uns nun seit gut 6 Jahren. Wir arbeiteten während dieser Zeit zusammen am Institut für Infektionskrankheiten (IFIK) der Univesität Bern,als Assistenten in der Diagnostik von Viren. Wir erarbeiteten zusammen diverse Projekte, welche gut funktioniert haben und für das Labor von grosser Wichtigkeit waren. Allerdings merkten wir schnell, dass unsere Kunden (z.B. die Ärzte am Inselspital) vor allem zuverlässige und möglichst schnelle Tests für die Diagnose von Infektionskrankheiten verlangen – wir nahmen uns diesem Problem an und landeten so bei den isothermalen Amplifikationsverfahren: damit kann man errgerspezifische Gene kopieren, „sichtbar“ machen und so nachweisen. Es gab und gibt noch sehr wenig Vergleichbares auf dem Markt und das Ganze hat uns dermassen in den Bann gezogen und begeistert, dass wir uns entschieden, dabei zu bleiben. Für das vergangene Jahr erhielten wir von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) des Bundes genügend finanzielle Mittel für die Entwicklung unserer Methode und legten los. Wir entwickelten eine Methode, welche spezifisch Mikroorganismen detektiert: das heisst, wir suchen gezielt nach einem Erreger und testen das Blut oder den Abstrich darauf. Für die Entwicklung der Methode haben wir uns auf den Nachweis von Herpes Viren konzentriert, als nächstes wird ein Influenza Test folgen, den wir dann auf weitere respiratorische Erreger ausbauen. Grundsätzlich bleibt die Methode dabei immer dieselbe, der Test muss nur auf den Erreger, also dessen Gene die ihn von allen anderen unterscheidet, angepasst werden. Deshalb ist unsere Methode auch für alle möglichen Bereiche, wie zum Beispiel für die Lebensmittelindustrie oder die Veterinärmedizin sehr interessant. Im Moment dauert eine Diagnose, mit einem im Vergleich zu unserem weniger sensitiven Test, rund eine Dreiviertel-Stunde, und mit einem Gleichwertigen ungefähr 4 bis 5 Stunden – aber erst ab dem Moment an dem die Probe im Labor landet! Unsere Methode hingegen unterbietet diese Zeit deutlich: vom Abstrich bis zum Resultat dauert es nur eine halbe Stunde und es muss kein Umweg über das Labor gemacht werden, da der Test direkt in jeder Arztpraxis vor Ort gemacht und ausgewertet werden kann. Wenn also ein Patient mit Verdacht auf Influenza oder Herpes die Praxis betritt, wird ein Abstrich abgenommen und rund eine halbe Stunde später hat man das Resultat vorliegen und kann dementsprechend handeln. Es gibt zwar schon entsprechende Schnelltests z.B für Influenza und ja, sie sind günstig, aber die Wahrscheinlichkeit eines korrekten Resultats ist katastrophal tief – sogar mit einem Würfel der 6 Seiten hat liegt man genauer! Lange und so auch teure Wartezeiten auf ein Ergebnis müssen endlich ein Ende haben – und zwar mit einer Diagnose, die zuverlässig und schnell ist!

 

  • Ihr habt gerade frisch gegründet, was muss man besonders beachten, wenn man sich in der Medtech-Branche selbständig machen will?

Vor allem muss man sich mit all den kantonalen, landesspezifischen und internationalen Regulationen auseinandersetzen! Obwohl unsere Branche nicht ganz so streng geregelt ist wie die der Pharmaindustrie, braucht der ganze Prozess sehr viel Zeit und Aufwand. Es ist wichtig, sich im Vorfeld gut darüber zu informieren, welche Bewilligungen – und die damit verbundenen Ressourcen – es braucht damit ein Produkt am Markt verkauft werden kann. Ansonsten kann es sehr schnell sein, das eine Menge (Forschungs-)zeit und Geld verloren geht. Die Konkurrenz in der Branche ist gross und zum teil sehr mächtig. Im Vergleich zu den Weltkonzernen, die auf dem Markt mitmischen, sind wir nur eine Minimannschaft. Aus diesem Grund ist Geschwindigkeit für uns sehr wichtig: wir müssen unser Produkt schnell an den Markt bringen, die Methode weiter verbessern und neue Tests für weitere Erreger und Krankheiten entwickeln. Die Herausforderung besteht darin, möglichst schnell aber gesund zu wachsen, ohne unsere Liquidität zu gefährden. Und trotzdem – bis ein Grosskonzern etwas vergleichbares auf den Markt bringt dauert es noch einen Moment. Wir hoffen, diesen Vorsprung ausnutzen zu können. Und dann ist nicht zuletzt die Zusammensetzung des Teams sehr wichtig: Samuel ist Arzt, er hat hohe Ansprüche und sieht, wo Probleme und Verbesserungspotential vorliegt. Alexander ist Biologe und hat das nötige theoretische Wissen für die Umsetzung. Wir ergänzen uns, in beruflicher sowie in zwischenmenschlicher Hinsicht perfekt! Und dies ist nicht selbstverständlich, denn leider lässt die Kommunikation zwischen Klinikern und Laborleuten oft zu wünschen übrig…

 

  • Ihr habt gerade eure Büroräumlichkeiten bezogen, wie geht es nun weiter?

Nach dem ganzen Renovieren und Einrichten sind wir jetzt fast startklar: unser Labor ist mit dem wichtigsten ausgestattet und in den nächsten Wochen können wir anfangen zu arbeiten. Bis wir die CE-Zertifizierung für den ersten Test erhalten (was ca. 6-12 Monate dauert) und den Test effektiv in der Humanmedizin für die Diagnostik anwenden dürfen, konzentrieren wir uns für erste Feebacks unserer Kunden auf RUO- (Research Use Only) Tests: wir verkaufen unser Produkt an Forscher und andere Laboratorien, welche damit Tests zu Studienzwecken durchführen. Beispielsweise kann damit herausgefunden werden, wie viele Influenza-Erkrankungen in einem Spital etc. vorkommen. Da die Testergebnisse vorerst nur für Veranschaulichungszwecke genutzt werden und noch kein (Menschen-)Leben davon abhängt, sind die Zulassungshürden wesentlich tiefer. Bis im Sommer 2017 wollen wir unsere ersten Tests an Hygieneverantwortliche von Spitälern und Epidemiologen (Forscher welche die Verbreitung von Krankheiten untersuchen) verkaufen. Danach, mit dem CE-Zertifikat, folgen kleinere Spitäler ohne spezialisiertes Labor, Gruppenpraxen und schliesslich dann die grossen Spitäler. Gleichzeitig müssen wir entscheiden, für welche weiteren Erreger wir unseren Test ausarbeiten: da wir nun selbständige Unternehmer sind, müssen wir auch darauf achten, was schlussendlich rentabel ist. Unser BBCW Coach Urs Guggenbühl mahnt uns hierbei immer ganz besonders, den Fokus nicht zu verlieren. Aber mit der ganzen Unterstützung im Rücken, insbesondere auch von unseren Familien, Freunden und Partnern aus der Startup Community und Wirtschaft schauen wir optimistisch in die Zukunft und verfolgen weiterhin unser Motto: Go for it!