Wer wir sind

Das Entrepreneurship Center (EC) dient als Dialogplattform für Studierende, Unternehmerpersönlichkeiten und die Öffentlichkeit.
Im Bereich Weiterbildung entwickeln wir Angebote auf universitärem Niveau. Personen, die sich auf Entrepreneurship in bestehenden Organisationen spezialisieren wollen, und (zukünftige) UnternehmerInnen sind gleichermassen angesprochen.

Im Bereich Outreach bieten wir Veranstaltungen zur Vernetzung und Weiterentwicklung von unternehmerischen Personen und Projekten. Insbesondere der Berner Business Creation Wettbewerb sowie der Berner Start-up Evening dienen der Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft.
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In’s Weekend mit – der Pyrolysis GmbH

Impression PyrolyseHannes Blaser, biodynamischer Gemüsegärtner, Mitinhaber des Familien-Demeterhofes und ausgebildeter Umweltberater, und Alexandra Gavilano, Umweltwissenschaftlerin (MSc) und Expertin in nachhaltiger Landwirtschaftsentwicklung und Klimawandel, haben zusammen die Pyrolysis GmbH gegründet, welche die Abfallverwertung in der Schweiz und international revolutionieren soll. Warum es höchste Zeit für eine zur Anwendung bereite Lösung ist und welche Rolle dabei unser Abfall spielt, erfahren wir hier von ihnen:

 

 

  • Liebe Pyrolysis GmbH, könnt ihr uns erklären, was Pyrolyse genau ist und welche Vorteile dieses Verfahren mit sich bringt?

Pyrolyse ist ein technisches Wort, welches die Spaltung von organischen festen Bestandteilen unter Hitze, in der Anlage herrschen ungefähr 400 bis 600 Grad Celsius, und unter kontrollierter Zugabe von Sauerstoff beschreibt. Dabei kommt es nicht zur Verbrennung, weil nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist, und das Material teilt sich in 3 Bestandteile: Gas, Öl und Kohle. Anders als bei der klassischen Abfallverbrennung, bei welcher alle Stoffe komplett verbrannt werden und keine Wertstoffe mehr übrig bleiben, entsteht bei dem Pyrolyseverfahren Energie: das Gas kann in Strom umgewandelt werden und es entsteht Wärmeenergie sowie Pflanzenkohle. Das entstandene CO² gelangt also nicht mehr in die Atmosphäre, sondern ist nun in der Pflanzenkohle gebunden und kann damit zurück in ihren natürlichen Kreislauf, und damit in die Erde, eingelagert werden. Somit bringt die Pyrolyse gleich zwei grosse Vorteile mit sich: das Verfahren ist viel schonender für die Umwelt, denn es produziert rund 3 bis 4 mal weniger Emissionen als eine vollständige Verbrennung, und die Endressoucen können wieder in den Landwirtschaftskreislauf eingebunden werden und gleichzeitig die Qualität des Bodens verbessern (Hummusaufbau). In der Schweiz beträgt der Hummusgehalt in den Böden nur noch rund 1 bis 2% und nimmt stetig weiter ab. Damit eine nachhaltige Landwirtschaft garantiert werden kann braucht es aber mindestens 3 bis 4%. Mit dem klassischen Kompost werden in 50 Jahren 1 bis 2% neuer Hummus im Boden generiert. Mit Pyrolyse, und damit mit Pflanzenkohle im Boden, kann in der gleichen Zeit 12 bis 15% erreicht werden. Es ist also höchste Zeit, auch im Sinne der Ernährungssouveränität der Schweiz, dass in diesem Bereich endlich etwas unternommen wird!

 

  • Das hört sich toll an! Erzählt uns bitte mehr über euch und die Pyrolysis GmbH!

Angefangen hat alles vor rund 10 Jahren. Damals entstand erstmals der Gedanke, dass Pyrolyse DER Zukunftsenergieträger sein könnte. Aufgewachsen auf einem Demeterhof (biodynamisches Gemüse) interessierte ich mich (Hannes) schon von klein an für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Verbesserung von Böden – und als ich dann Alexandra kennenlernte, welche an der Universität Bern auf diesem Gebiet arbeitet, hatte ich dazu die perfekte Partnerin gefunden. Wir kannten beide das Pyrolyseverfahren bereits aufgrund unserer lateinamerikanischer Wurzeln und der Geschichte unserer Vorfahren, was toll ist. In Diskussion mit Kollegen aus der Wissenschaft entwickelten wir auf unserem Küchentisch den ersten Prototypen unserer Maschine, wobei wir versuchten, verschiedene Dinge zu verbrennen und dabei den Sauerstoffgehalt zu binden. Ganz so einfach, wie anfangs gedacht, war es dann doch nicht, aber schlussendlich konnten wir unsere Anlage immer weiter technisch ausbauen und sie wurde grösser und grösser, bis schliesslich unsere heutige Maschine, die BA1 (BioAlternative1), auf unserem Hof stand und wir damit fähig sind, organischen Abfall in Energie umzuwandeln! Nach der ersten und erfolgreichen Pilotphase entschieden wir uns, die Pyrolysis GmbH zu gründen und diese einzigartige vertikale Bauweise und Technologie mit der ganzen Welt zu teilen, um degradierte Flächen und den Hummusabbau, mittlerweile eines der grössten Probleme in der Landwirtschaft, zu stoppen. Stattdessen soll unsere Pflanzenkohle zum Einsatz kommen. Bis heute haben wir mit unserer Anlage rund 10 Tonnen Holzschnitzel verarbeitet, herausgekommen sind dabei 3,5 Tonnen Pflanzenkohle. Wir haben auf einem trockenen Getreidefeld die Wirkung unserer Kohle getestet, und nach rund einem Jahr, also nach einer Ernte, hat sich der Boden bereits merklich verbessert und das Getreide wächst höher und der Ertrag ist grösser. Zusätzlich stellen wir zwei Produkte her: zum einen das Terra Preta, eine Mischung aus Kompost und Pflanzenkohle, welche im Sack anstelle von künstlichem Dünger an den Endverbraucher verkauft wird, und zum anderen unsere 100% Schweizer Grillkohle aus Abfallholz, welches wir von der Gemeinde aus Schwemmholz oder dem Gartenschnitt von Privatleuten oder anderem beziehen – aber es wird kein einziger Baum extra dafür gefällt, das ist uns wichtig.

 

  • Und wie geht es mit der Pyrolysis GmbH in Zukunft weiter, welche Vision verfolgt ihr?

Grundsätzlich verfolgen wir einen 3 Phasen-Plan: Zuallererst ging es darum, mit unserer Maschinen einen ganzheitlichen und funktionierenden Zyklus aufzuzeigen, welcher mit unseren drei Produkten, der Grillkohle, der Pflanzenkohle und dem fertigen Terra Preta auch kostendeckend funktioniert. Nun, in Phase 2, setzen wir alles daran, mit unseren Produkten die Menschen von uns zu überzeugen: wir wollen zeigen, dass unser Konzept und unsere Maschine funktioniert und sinnvoll ist, und so dazu übergehen, weitere Maschinen schweizweit und international individuell angepasst zu verkaufen. Unser Ziel ist es, dass die bisherige Verbrennung vom Pyrolyseverfahren endlich abgelöst wird! Wir haben unsere Internetseite angepasst, unser Marketingkonzept verfeinert und erarbeiten im Rahmen des BBCW mit unseren Coaches Peter Michel und Melanie Rosser unseren Businessplan – um damit dann mit unseren Produkten auf verschiedene Detailhändler zuzugehen. In der dritten Phase möchten wir uns mehr unserer Herzensangelegenheit widmen und in unserem eigenen Permakulturgarten Forschung betreiben und beweisen, dass man mit dem Pyrolyseverfahren sogar verseuchte Erde wieder regenerieren kann. Alexandra überlegt sich auch, auf diesem Gebiet ihre bevorstehende Dissertation zu schreiben. Wir sind also bereit: unsere Maschine ist absolut konkurrenzfähig, da man schlussendlich sogar noch ein Endprodukt hat, das verkauft werden kann und die Maschine kostet nicht mehr als bestehende. Und für alle, die ihren organischen Abfall entsorgen müssen, ändert sich nichts, ausser dass sie dies mit einem besseren Gewissen tun können. Wir werden zeigen, dass man in der heutigen Zeit durchaus in der Lage ist, auf die klassische Verbrennung zu verzichten, und uns einsetzen, für eine bessere, grünere und gesündere Schweiz!