Wer wir sind

Das Entrepreneurship Center (EC) dient als Dialogplattform für Studierende, Unternehmerpersönlichkeiten und die Öffentlichkeit.
Im Bereich Weiterbildung entwickeln wir Angebote auf universitärem Niveau. Personen, die sich auf Entrepreneurship in bestehenden Organisationen spezialisieren wollen, und (zukünftige) UnternehmerInnen sind gleichermassen angesprochen.

Im Bereich Outreach bieten wir Veranstaltungen zur Vernetzung und Weiterentwicklung von unternehmerischen Personen und Projekten. Insbesondere der Berner Business Creation Wettbewerb sowie der Berner Start-up Evening dienen der Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft.
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In’s Weekend mit – Simon Plattner, Mitglied Team AIDE-Moi

Stürze sind eine der Hauptursachen für Unfälle älterer Menschen und somit eine Bedrohung für deren Gesundheit und Lebensqualität. Von den über 65-jährigen wird jeder Vierte im kommenden Jahr mindestens einen Sturz erleiden. AIDE-MOI, ein Projekt der Berner Fachhochschule (BFH), verbessert mit ihrem Sturzsensor (siehe Bild) die Sicherheit und Unabhängigkeit im täglichen Leben der älteren Menschen. Simon Plattner, Absolvent der BFH und Teammitglied bei AIDE-MOI, erzählt uns mehr über das Projekt, seine Beweggründe und die Zusammenarbeit im grossen Startup-Team.

 

 

  • Simon, welches Problem löst AIDE-MOI?

Die Sturzgefahr bei älteren Menschen ist ein altbekanntes Problem und schon viele haben sich damit auseinandergesetzt. Als mein Grossvater vor einem Jahr zuhause stürzte und meine Grossmutter ihn erst nach einiger Zeit auffand, zeigte sich mir aber ein völlig neues Problem: Obwohl meine Grossmutter vor Ort war, rief mein Grossvater Sie nicht um Hilfe – und damit ist er nicht der Einzige. Anscheinend geht es vielen Betroffenen so: sobald ein solcher Unfall passiert, steigt die Hemmschwelle für einen Hilferuf drastisch – die Menschen ärgern und schämen sich über ihre eigene Hilflosigkeit und warten lieber erst ab. Ich hörte von dem Projekt AIDE-MOI an der BFH und entschied mich zur Mitarbeit – denn dagegen musste etwas unternommen werden. AIDE-MOI ist nicht nur ein Sturzsensor, sondern ein komplettes System, welches nach einem Sturz sofort Hilfe herbeiruft. Der Sensor ist mit einem Pflaster am Körper befestigt und analysiert die Bewegungen des Benutzers. Im Falle eines Sturzes alarmiert der Sensor automatisch die vordefinierten Vertrauenspersonen – und dem Betroffenen kommt so möglichst schnell Hilfe zu.

 

  • AIDE-MOI wurde 2013 von der Berner Fachhochschule lanciert. Wie kam es zu eurer Mitarbeit und zum Projekt selbst und welche Unterstützung bietet euch die BFH?

Eine interdisziplinäre Gruppe von Professoren der Berner Fachhochschule formulierte 2013 eine Projektidee zum Thema Sturzdetektion. Sie waren am Entwurf eines Systems interessiert, das auf die realen Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren abgestimmt ist – eine Eigenschaft, welcher die diversen auf dem Markt erhältlichen Systeme nicht gerecht wurden. Insbesondere wurde die stigmatisierende Wirkung der eher grossen Notruflösungen kritisiert. Damit gemeint sind beispielsweise die bekannten Armbänder, welche mit einem Alarmknopf versehen sind: eigentlich eine tolle Sache, aber die Menschen tragen diese nicht gerne, da alle anderen sofort auf einen Blick erkennen können: „Aha, diese Person ist also sturzgefährdet!“. Eigentlich ist es unsinnig, aber auch verständlich: dieser Blösse gibt sich niemand gerne freiwillig hin. Das AIDE-MOI-System setzt da an. Es bietet eine unsichtbare Lösung zur automatischen Erkennung von Stürzen. Dadurch soll die Hemmschwelle zum Verwenden des Systems massgeblich verringert werden. Alle aktuellen Teammitglieder sind Absolventen des Elektro- und Kommunikationstechnik-Studienganges der Berner Fachhochschule. Wir waren alle auch zeitweise als Assistenten an der BFH angestellt, um das Projekt voranzutreiben. Zu Beginn stammten die Fördermittel dafür von der BFH und von dritten Geldgebern. Nun soll sich das aber ändern und AIDE-MOI soll zum eigenständigen Start-up werden. Die Unterstützung durch die BFH ist dabei nach wie vor gross. Sehr viele Ressourcen sind vorhanden. Ob es nun um Rechtsfragen, Materialkundeabklärungen, Hochfrequenzmessungen, oder um den Bedarf nach einer von der Ethikkommission genehmigten Befragung von Seniorinnen und Senioren geht: Irgendjemand an der BFH hat damit Erfahrung und ist gerne bereit, sein Wissen weiterzugeben.

 

  • Ihr seid ein relativ grosses Gründerteam von 4 Personen, wie funktioniert da die Zusammenarbeit am besten und wie geht ihr bei Meinungsverschiedenheiten vor?

Um am Markt zu bestehen, ist ein diversifiziertes Team wünschenswert. Durch Wissen aus verschiedenen Bereichen werden mehr Probleme früher erkannt, die Kommunikation mit externen Stellen wird vereinfacht und Arbeiten werden tendenziell effizienter erledigt. Durch die verschiedenen Vertiefungsrichtungen unserer Teammitglieder ist bei AIDE-MOI eine gewisse Diversifikation gegeben. Wir empfinden das auf jeden Fall als Vorteil. Meinungsverschiedenheiten sind oft ein Zeichen dafür, dass die bevorstehende Entscheidung keinen offensichtlich „besten Ausgang“ besitzt – und sind somit ein erwünschter Indikator. In solchen Fällen wenden wir etwas Zeit auf um Vor- und Nachteile zu erfassen, zu dokumentieren und anschliessend gegeneinander abzuwägen. Dadurch ist es für die überstimmten Teammitglieder einfacher, die Entscheidung trotzdem mit Wohlwollen zu akzeptieren und im Sinne des Teams mit vollem Einsatz weiterzuarbeiten. Da wir alle keinen tieferen Business Administration-Hintergrund haben, sind wir jeweils froh, wenn wir uns bei diesbezüglichen Fragen an unseren BBCW Coach Markus Binggeli wenden und uns so langwierige Diskussionen sparen können. Insgesamt sind wir ein funktionierendes Team, dass sich auf die zukünftigen Herausforderungen freut!